Ein paar Worte zum Leben nach dieser Reise…
06. Oktober 2009Eine Ewigkeit scheint verstrichen seit meiner Rückkehr Ende Juni. Damals radelte ich braungebrannt, schlank und mit muskulösen Wadli in Biberist ein, von wo aus meine Veloreise 14 Monate zuvor ihren Anfang genommen hatte. Rund 16′000 km in zahlreichen Ländern Osteuropas und Asiens haben mir wunderbare Begegnungen, viele Eindrücke und Erfahrungen fürs Leben gebracht. Voll Dankbarkeit sehe ich noch immer auf meine Reise zurück; auf die zahlreichen beglückenden (wenngleich auch nicht immer nur einfachen) Momente.
Nach den vielen Monaten unterwegs freute ich mich allerdings auch wieder auf einen Arbeitsalltag, auf Regelmässigkeiten, das Zurückgreifen auf Gewohntes, auf die Sesshaftigkeit und natürlich sehr auch auf meine Freunde & auf die Familie. Ausserdem wollte mein Konto wieder mal gefüttert werden und das ewige Sparen & Feilschen um ein paar Fränkli hatte ich ebenfalls satt. Ich schaute dem Leben ohne Rad, dafür mit anderen Aktivitäten ausgefüllt, freudig entgegen!!
Seit meiner Rückkehrt ist viel ist passiert: Erstmals habe ich mit zügelkräftiger Hilfe mein neues Zuhause in Bern bezogen, mich “im schönsten Haus der Stadt” eingerichtet und eingelebt. Viele Freunde haben mich dort schon besucht, es wurde regelmässig bei uns im Garten grilliert. Die Schweizer Bergwelt genoss ich mit dem Gleitschirm, beim Hüttenwandern, im Bündner Maiensäss,… ebenso Theater, Kino und Konzerte. Sich auf der schönen blauen Aare mit dem Boot oder schwimmend treiben lassen. Während meiner Ferien traf ich Freundinnen in Nordspanien und in Belgien. Und letztendlich gehöre ich seit 2 Monaten auch wieder zum arbeitenden Volk mit einer 5-Tagewoche.
Ich hatte und habe ein grosses Nachholbedürfnis. Alles was mir während der Reisemonate gefehlt hat, will ich nachholen. Am liebsten gleichzeitig. Alles - ausser Radfahren. Papalagi war ein treuer & zuverlässiger Reisepartner. Nun darf er sich ausruhen. Er wird täglich benutzt, aber nur für kurze Alltagskurzstrecken.
Einerseits geniesse ich es, wieder in der Heimat zu sein. Ich fühle mich wohl, es ist gut so und ich möchte nirgendwo anders sein. Andererseits vereinnahmt mich meine neue Stelle sehr und lässt meinem Bedürfnis nach den tausend Aktivitäten, denen ich nachgehen möchte, kaum Raum. Die Balance zwischen Arbeit und Freizeit habe ich noch nicht gefunden. Im Gegenteil; manchmal überkommt mich das Gefühl vor lauter Arbeit völlig am Leben vorbei zu gehen. Als würde ich in meinem neuen Alltag jeden Tag ein bisschen sterben… dann träume ich von den Reisetagen auf dem Sattel, von der Wachheit mit der ich durchs Leben ging, von der Offenheit der Menschen denen ich begegnete, der Intensität, der Bewegung und dem guten Körpergefühl, der Unbeschwertheit, den schönen Landschaften, der Einfachheit,…
In diesem Spannungsfeld versuche ich mich einzuleben und bin mir bewusst, dass dies seine Zeit braucht. Meine letzte Reise war dies bestimmt nicht, dazu ist der Durst & die Neugier nach weiteren Abenteuern zu gross. Bereits turnen neue Ideen durch meinen Kopf für eine nächste Auszeit, denn es gibt noch so viele Orte mit dem Velo zu erkunden… aber bevor ich erneut aufbreche, gilt es hier in der Heimat wieder Fuss zu fassen. Das ist das Ziel.